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Die kindliche Entwicklung im ersten Lebensjahr

Bevor ich beginne möchte ich ein paar Worte sagen. Alle Zeitangaben die im nachfolgenden Text vorkommen sind lediglich Richtwerte bzw. Durchschnitt. Jedes Kind hat sein eignes Tempo, das eine Kind kommt mit Zähnen auf die Welt das andere bekommt sie zu seinem ersten Geburtstag. Dieses Beispiel zeigt das es kein Schema X gibt nach dem sich jedes Kind entwickelt. Auch wenn natürlich jede(r) Mutter/Vater stolz ist und sicher auch das Können seines Kindes mit denen Anderer vergleicht sollte hier draus kein Wettbewerb entstehen.
Für die kindliche Entwicklung ist es wichtig dass es merkt, es ist OK so wie es ist, nur so kann das Kind Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten aufbauen.

Der erste Monat

An uns Erwachsenen gemessen können Neugeborene natürlich noch relativ wenig und doch hat die Natur sie mit wichtigen Fähigkeiten und vor allem Reflexen ausgestattet, die ihnen ihr überleben sichern sollen.

Eigentlich können sie schon eine ganze Menge: saugen und trinken. Mit seinen Fingern, in denen noch eine enorme Kraft steckt, kann es sich festkrallen (es gab Versuche bei denen man Neugeborene an eine Wäscheleine gehängt hat, und sie waren in der Lage, sich festzuhalten. Aber BITTE BITTE nicht nachmachen)
Auch ansonsten hat das Neugeborene noch jede Menge Reflexe, die sich in den ersten Wochen und Monaten verlieren werden.
Die wichtigsten Reflexe sind folgende:
Der Greifreflex (tonischer Handreflex): Sobald Etwas die Handfläche des Kindes streift oder berührt, schließt sich automatisch die Hand. Auch an den Fußsohlen ist dieser Reflex zu beobachten.
Der Moro-Reflex oder Umklammerungsreflex: Dieser Reflex wird immer dann ausgelöst, wenn das Kind sich erschrickt oder das Gefühl hat, zu fallen. Es streckt Arme und Beine aus, spreizt die Finger und krümmt den Rücken, als wollte es sich an etwas fest halten. Dann "rollt" es sich ein und ballt seine Hände zu einer Faust.

Der Blinzelreflex: Sobald das Baby an der Nase berührt wird, blinzelt es.
Der Suchreflex: Wird das Baby sanft an der Wange gestreichelt, z.B. mit dem kleinen Finger, öffnet es den Mund und wendet den Kopf zu der Seite hin an der es berührt wurde.
Der Saugreflex: Wird das Baby mit dem Finger, Brustwarze etc. an der Lippe berührt, öffnet es den Mund und beginnt zu saugen. Dieser Reflex wird auch ausgelöst, wenn sanft Druck auf den Gaumen ausgeübt wird.
Der Schluckreflex: Schon im Mutterleib wird das Schlucken trainiert. Jedoch haben Babys einen noch sehr ausgeprägten Würgereflex, der verhindern soll, dass sie sich verschlucken.

Der Schreitreflex: Wird das Baby senkrecht über eine gerade Fläche gehalten, wobei die Füße diese berühren, macht das Baby Bewegungen, die wie Schritte aussehen. Mit dem eigentlichen Laufen haben sie jedoch noch nichts zu tun.
Der Kletterreflex: Um diesen Reflex auszulösen wird das Baby aufrecht an eine Kante oder Stufe gehalten, zieht es seine Beine an als wolle es die Stufen hochgehen.
Der Streckreflex: Streckt man das eine Bein des Kindes und kitzelt es am Fuß streckt es das andere Bein aus und zieht es wieder an.
Der Rückgratreflex (Galant-Reflex): Wird das Baby auf den Bauch gedreht und streicht an einer Seite der Wirbelsäule entlang, dreht es sich zu der Seite an der es gestreichelt wurde.

Im zweiten Monat

Wird ein Kind in diesem Alter auf dem Bauch gelegt, kann es meist schon kurz den Kopf halten.
Und auch wenn es langsam seine „verkrampfte“ Haltung verliert und sich zunehmend streckt und auch die Beine und Arme bewegt, ist es noch nicht in der Lage bewusst zuzugreifen. Die Hände sind meist noch zur Faust geschlossen, beginnen sich jedoch langsam zu öffnen.
Das so genannte Engelslächeln, das ein Reflex ist, der den Kindern meist im Schlaf über das Gesicht huscht, weicht jetzt dem sozialen Lächeln. So viel wie jetzt lachen die meisten Kinder nie wieder, weswegen diese Monate auch manchmal KODAK-Monate genannt werden.
Im zweiten Lebensmonat ist das Hörvermögen schlechter als bei der Geburt, doch im Laufe des 3-4. verbessert es sich wieder.

Im dritten Monat

Neben dem Hörvermögen verbessert sich jetzt auch das Sehvermögen des Babys, große farbige Gegenstände mit scharfen Konturen kann es jetzt schon für kurze Zeit fixieren, und auch die Sehschärfe verbessert sich. Am liebsten betrachtet es aber Gesichter. Reagiert der Betrachtete nicht, reagieren manche Babys mit Unmut, da sie sich nicht beachtet fühlen. Auch das anfängliche Schielen, welches ganz normal ist, sollte jetzt langsam aufhören.
Die Hände des Babys sind meist noch fest zu einer Faust geschlossen, wird aber schon etwas geöffnet. Es lernt langsam einzelne Gliedmaßen zu bewegen.
Auch wenn es natürlich die Worte noch nicht versteht hat es das Baby gerne, wenn mit ihm gesprochen wird, aber es kann aus Lautstärke und Tonfall schon einiges deuten. Wird viel mit dem Baby gesprochen fördert dies auch seine Sprachentwicklung. Babys antworten auf ihre Art und Weise, mit heftigem Gestrampel und einem tönenden Lachen.

Im Vierten Monat

Das Baby entdeckt nun seine Hände als liebstes Spielzeug, es kann sie nun bewusst schließen, nur mit dem Öffnen hapert es manchmal noch etwas. Am liebsten werden sie, wie auch Gegenstände die es zu greifen bekommt bzw. man ihm in die Hand legt in den Mund gesteckt, ordentlich erforscht. Dabei ist es hilfreich, dass es allgemein seine Bewegungen besser unter Kontrolle hat.
Legt man das Kind auf dem Bauch, kann es das Köpfchen schon einige Zeit sicher halten, dabei hilft es ihm, dass es seine Arme durchstreckt, und so das Köpfchen gerade halten kann.
Auch vom Rücken auf die Seite drehen lernt es nun.
Jetzt kann es außerdem schon Gegenstände fixieren, die sich bewegen. Es schaut Dingen hinterher und betrachtet auch sein Spielzeug intensiv.


Im fünften Monat

Nun erkennt das Baby ihm bekannte Gesichter wieder und begrüßt sie mit einem Lächeln.
Setzt man das Baby hin kann es seinen Kopf gut und gerade halten. Es beginnt jetzt gezielt nach Spielzeug zugreifen.
Wir es auf den Bauch gelegt „schwimmt“ das Baby. Es hebt also Beine und Arme für ein paar Sekunden an.
Es dreht nun den Kopf zu einer Geräuschquelle wenn es etwas Interessantes gehört hat.
Der Charakter und Wille des Kindes wird nun immer mehr erkennbar, klar muss es manche Dinge akzeptieren dennoch sollte man schon jetzt versuchen dem Kind mit Respekt zu begegnen.
Es lässt sich leicht ablenken und schaut vergnügt umher.
Manche Kinder können sich nun vom Rücken auf den Bauch drehen.
Personen die in seinem Leben eine wichtige Rolle einnehmen, erkennt es zunehmend auch an der Stimme, und begrüßt sie mit einem Lächeln und strampelt vor Freude.

Im sechsten Monat

Jetzt können die meisten Kinder sich vom Rücken über die Seite auf den Bauch drehen.
Es entdeckt seine Füße als Spielzeug und steckt sie sich in den Mund.
Liegt es auf den Bauch kann es den Kopf schon gut halten und beginnt Gegenständen hinterher zuschauen.
Nun kann das Baby wenn es genug abgestützt wird schon einige Zeit sitzen und Köpfchen und Gleichgewicht halten. Dennoch sollte man dies erst über längern Zeitraum tun, wenn es selbständig sitzen kann. Wirbelsäule und Knochen sind noch zu weich um das Gewicht von Kopf und Körper über einen längeren Zeitraum zu tragen. Außerdem wird es in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, aber gerade das ständige üben von Drehungen und anderen Bewegungsabläufen sind wichtig um z.B. das Krabbeln zu erlernen.
Es beginnt einzelne Laute wie Aaaa, Oooo oder Uuuu zu sprechen und mit Lautstärke und Betonung zu experimentieren.


Im siebten Monat

Nun können sich die meisten Babys vom Bauch wieder zurück auf den Rücken drehen. Manche Kinder „kugeln“ sich so durch den ganzen Raum.
Da sie jetzt schon recht gut greifen können, stecken sich Baby alles in den Mund.
Nicht nur Spielzeug wird auf diese Art und Weise untersucht. Hilfreich hierbei ist, dass die Hand-Hand-Koordination nun so weit ausgereift ist, dass es Gegenstände von einer in die andere Hand geben kann.
Jetzt macht es auch besonders Spaß, Dinge immer wieder fallen zulassen und dabei zuzusehen wie Eltern, Geschwister etc. sie wieder aufheben. Auch Versteckspiele sind jetzt hoch im Kurs, dem Baby wird es auch beim 20sten mal „Kuck-Kuck-Bin-wieder-da“ nicht langweilig. Im Gegenteil gerade das ständige wiederholen von Dingen ist wichtig für seine Entwicklung.
In den Armen steckt schon jetzt eine enorme Kraft, so kann das Kind sich jetzt schon gut mit den Armen abstützen, andere beginnen jetzt schon etwas zu robben, da jedoch noch die meiste Kraft in den Armen und nicht in den Beinen liegt, legen die meisten erst ein mal den “Rückwärtsgang“ ein.
Auch die ersten Zähnchen machen sich nun auf den Weg, zunächst die unteren Schneidezähne, gefolgt von den Oberen.
Kann das Kind sich jetzt alleine aufrichten, kann es ruhig in den Hochstuhl gesetzt werden.

Aber nicht nur die körperliche Entwicklung läuft auf Hochtouren,
Es beginnt langsam zu verstehen, dass es ein eigenständiges Individuum ist, und es von seiner Mutter getrennt werden kann. Aus diesem Grund beginnen Baby nun zu fremdeln, oft wird nur noch die Mutter als Bezugsperson akzeptiert und bei selbst Vater und Grosselten beginnt es zu weinen.
Das Kind zu zwingen zu anderen Personen zu gehen, ist der falsche Weg. Wenn es lernt dass es sich seiner Mutter immer sicher sein kann, fällt es ihm in ein paar Wochen viel leichter sich von ihr zu trennen.

Im achten Monat

Jetzt kann es sich schon selbstständig in den Vierfüßlerstand bringen, vielleicht macht es auch schon erste Krabbelversuche oder versucht gar aufzustehen.
Mit seiner zunehmenden Mobilität, beginnt es auch immer mehr und mehr seine Umwelt zu erforschen. Spätestens jetzt muss die Wohnung kindersicher gemacht werden.
Da Kinder gerade an den Dingen der Erwachsenen besonders Interesse zeigen, muss es nicht immer Kinderspielzeug sein, ein Topf mit Kochlöffel bring oft mehr Spaß als die gekaufte Trommel. Jetzt beginnt es einfache Silben zu sprechen, und aneinander zu hängen. Dabei entstehen endlose Silbenketten wie mamamamamam.

Im neunten Monat

Viele Kinder beginnen nun zu Krabbeln, wobei sie dabei ein erstaunliches Tempo erreichen können.
Auch die Feinmotorik entwickelt sich immer mehr. So kann das Baby jetzt schon Dinge zwischen Daumen und Zeigefinger halten. Doch noch steckt es sich alles in den Mund. Es kann dort einfach noch besser untersucht werden, um was für einen Gegenstand es sich handelt.
Das Kind beginnt nun sich an allen möglichen Gegenständen hochzuziehen, es kann allerdings noch nicht unterscheiden ob etwas kippen kann oder nicht, weswegen wieder einmal besondere Vorsicht angebracht ist.
Was sich im 7 Monaten mit fremdeln angedeutet hat setzt sich nun immer weiter fort, das Kind will seine Umwelt erkunden.
Es entfernt sich nun kurz, um Dinge zu erkunden, kommt dann aber auch schnell zurück.
Auch wenn es noch nicht jedes Wort versteht, ist es wichtig mit dem Baby zu sprechen. Es beginnt jetzt Zusammenhänge von Wörtern und Dingen zu verstehen.

Im zehnten Monat

Jetzt beginnen Kinder vereinzelt sich an Gegenständen wie z.B. dem Sofa entlang zu hangeln.
Es versteht mehr und mehr Worte, und ist nun auch in der Lage, einfache Verbote zu verstehen und zu akzeptieren.
Jetzt machen sich vielleicht auch schon die zweiten oberen Schneidezähne auf den Weg.


Im elften Monat

Nun kann das Baby schon einfache Worte wie z.B. Mama oder Papa bewusst sprechen. Ansonsten haben viele Babys eigene Wortschöpfungen, mit denen sie Dinge benennen, oder sie Brabbeln einfach vor sich hin.
Wird es an der Hand genommen, kann es vielleicht schon erste Schritte machen. Um O-Beine zu vermeiden sollte dies jedoch nicht zu oft und lange gemacht werden, da die Knochen noch zu weich sind und sich leicht verformen.
Babys haben jetzt schon einen eigenen Kopf, und wenn etwas nicht in ihrem Sinne geschieht, fangen manche jetzt schon an richtig trotzig zu werden.
Jetzt kann man auch beginnen dem Baby Getränke aus dem Becher zu geben, am Anfang wird zwar noch einiges daneben gehen, aber bald hat es raus wie es geht.

Im zwölften Monat

Jetzt kann das Baby schon kurze Zeit alleine Stehen und macht erste Schritte. Wird es abgelenkt verliert es jedoch noch leicht das Gleichgewicht. Am besten jetzt noch keine Schuhe, sondern nur Stoppersocken oder Gymnastikschuhe anziehen, da es dem Baby einfacher fällt ohne die steifen schweren Schuhe zu laufen.
Vielleicht hat es jetzt schon unten die ersten Mahlzähne, die oberen Mahlzähne und die Eckzähne lassen jedoch noch einige Wochen bzw. Monate auf sich warten.
Zu seinem 1.Geburtstag hat es sein Gewicht fast verdreifacht.